Archive for Juni, 2011

Der Tag der Entscheidung

Montag, Juni 20th, 2011

Es ist Donnerstag, der 20. Juni 1991 und im Ausweichquartier des Deutschen Bundestages im Bonner Wasserwerk drängen sich die Bundestagsabgeordneten. Die Besuchertribüne ist bis auf den letzten Platz belegt, die Stimmung angespannt. Um 10.00 Uhr eröffnet Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) die Sitzung. Der einzige Tagesordnungspunkt lautet „Beratung der Anträge zum Parlaments- und Regierungssitz„.

Nach mehr als 11 Stunden gibt dann Bundestagspräsidentin Süssmuth um 21.47 Uhr die Entscheidung für Bonn und Berlin bekannt. Mit 18 Stimmen Mehrheit wird der Antrag „Vollendung der Einheit Deutschlands“ angenommen. Bei den Berlin-Befürwortern bricht Jubel aus – die Bonn-Anhänger sind tief getroffen. Am Morgen hatte es noch so ausgesehen als würde die Entscheidung für Bonn ausfallen.

Der Rest ist (Zeit-)Geschichte. Am 26. April 1994 wird das Gesetz zur Umsetzung des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991 zur Vollendung der Einheit Deutschlands (Berlin/Bonn-Gesetz) unterzeichnet und tritt am 7. Mai 1994 in Kraft. Am 24. November 1998 tagt das Bundeskabinett erstmals im Berliner Staatsratsgebäude. Am 7. September 1999 tagt der Bundestag zum ersten mal im umgebauten Reichstag in Berlin. Seit September 1999 ist der Sitz von Parlament und Teilen der Regierung offiziell Berlin.

Berlin/Bonn-Gesetz hat kein Verfallsdatum

Freitag, Juni 17th, 2011

Die erste Runde der Veranstaltungen zum anstehenden 20. Jahrestag der Bundestagsentscheidung vom 20. Juni 1991 zum Umzug von Parlament und Teilen der Regierung von Bonn nach Berlin ist gelaufen.

Der ehemalige Leiter des Umzugs- und Ausgleichs-Stabes der Bundesregierung, Klaus Westkamp, trat nach eigener Aussage zum ersten mal seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 2005 in der Öffentlichkeit auf. Westkamp hatte als kleines Highlight das Berlin/Bonn-Gesetz mit den original Unterschriften aller 19 Bundesminister dabei. Ein Mitarbeiter Westkamps hatte im Frühjahr 1994 nach einer Kabinettssitzung alle Ministerinnen und Minister abgepasst und unterschreiben lassen. Dies war notwendig, da das Gesetz alle Ministerien betrifft.

In seiner Bilanz ging Westkamp auf die Einhaltung der Kostenobergrenze von 20 Milliarden DM ein sowie die Organisation des Umzugs innerhalb von 8 Jahren (Entschluss 1991, Umzug 1999). Funktionsbeeinträchtigungen durch die Aufteilung der Regierung auf die zwei Standorte Bonn und Berlin kann Westkamp nicht feststellen und sieht daher auch keine Notwendigkeit für einen Umzug weiterer ministerialer Arbeitsplätze von Bonn nach Berlin. Dies sei nur eine politische Entscheidung, keine funktionale.

Interessant war noch die Bemerkung, dass die Ausgleichsmittel für die Region Bonn in Höhe von 1,43 Mrd. Euro Mittel zur Selbsthilfe gewesen sein. So habe bei allen finanziell geförderten Projekten stets eine Eigenbeteiligung der betroffenen Kommunen stattgefunden, so dass am Ende Projekte in Höhe insgesamt etwa 2 Mrd. Euro gefördert worden seien.

Anders als einige Politiker sieht Westkamp bei einer Reform der Bundesministerien und einer möglichen Umwandlung von ministerialen Arbeitsplätzen in Bonn hin zu Arbeitsplätzen in Bundesämtern keine Chance sondern vielmehr eine Gefahr für Bonn. So würden große Löcher aufgerissen und komplette Politikbereiche nach Berlin abrutschen. Mit weiteren Ausgleichsmitteln für die Region Bonn sei nicht zu rechnen. Die Bundesamtslösung sei auch rein funktional nicht in allen Ministerien machbar. Es sei schlicht eine „Theoriediskussion von Außenstehenden“. Kein Minister würde sein eigenes Ministerium durch eine Verkleinerung schwächen wollen.

Bei der Podiumsdiskussion mit dem Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Ministerialdirektor Dr. Peter Müller aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde deutlich, dass das Berlin/Bonn-Gesetz aus ihrer Sicht kein Verfallsdatum habe, sondern vielmehr eine Zukunftslösung sei die mit Leben gefüllt werden müsse. Die Arbeit der Bundesregierung an zwei Standorten sei problemlos möglich und finanziell auch deutlich günstiger (knapp 10 Millionen Euro pro Jahr gegenüber 2 bis 5 Milliarden Euro für einen Umzug aller Ministerien nach Berlin). Im Bundesumweltministerium seien nur 10 Prozent aller Dienstreisen teilungsbedingt. Die Kosten für die Dienstreisen zwischen Bonn und Berlin würden tendenziell sinken. Beerfeltz nannte die aktuelle Situation eine „intelligente Lösung“. Bonn habe viele Vorteile die es zu nutzen gelte. So kann sich der Staatssekretär beispielsweise einen G8-Gipfel in Bonn gut vorstellen.

Zum 20. Jahrestag – Teil 2

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Weiter geht es mit der Presseschau zum 20. Jahrestages der Entscheidung des Deutschen Bundestages zum Umzug von Parlament und Teilen der Regierung von Bonn nach Berlin vom 20. Juni 1991.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat auf ihren Internetseiten ein gelungenes Spezial „20 Jahre Hauptstadtbeschluss“ online gestellt. Besonders hervorzuheben sind die Videos der Reden von Wolfgang Schäuble (für Berlin), Norbert Blüm (für Bonn), Wolfgang Thierse (für Berlin) und Gerhart Baum (für Bonn). Das Abstimmungsergebnis vom 20. Juni 1991 wird als Infografik aufbereitet und man kann dabei sehr gut erkennen, das die kleineren Parteien den Ausschlag für Berlin ausgemacht haben. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang, dass in der Debatte der sonst übliche Fraktionszwang keine Rolle spielte.

Spiegel Online hatte bereits zum 20. Jahrestages des Einigungsvertrags, und der damit verbundenen Festlegung auf Berlin als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands, über 20 Jahre Hauptstadt Berlin berichtet und per interaktiver Grafik erläutert, „wie die Bonn-Fans bekehrt wurden„.

Auf den Internetseiten des Bundestages ist ein Interview mit Eduard Oswald (CSU) zu lesen. Oswald war 1998 zum Ende der Ära Kohl kurzzeitig Bundesbauminister und so direkt mit dem Umzug von Parlament und Teilen der Regierung beschäftigt. Im Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“ schaut Oswald zurück auf die Umzugszeit und die Befürchtungen und Ängste der betroffenen Menschen. Ein lesenswertes Interview, in dem der CSU-Politiker sachlich aber dennoch menschlich einfühlsam die Thematik aufgreift. Als Bonn-Befürworter erkennt Oswald die Entscheidung vom 20. Juni 1991 heute als richtig an.

Zur aktuellen Diskussion um einen weiteren Umzug von Bundesministerien von Bonn nach Berlin äußert sich der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Bemerkenswert nüchtern erkennt Nimptsch die Änderungswünsche bezüglich der Aufteilung der Regierungsfunktionen auf die beiden Städte Bonn und Berlin an und zeigt sich dabei für Modifikationen offen. Entscheident sei was gut für das Land ist. Hier erscheint Nimptsch (SPD) ähnlich selbstlos wie 1990/1991 der damalige Bonner Oberbürgermeister Hans Daniels (CDU), der sich wiederholt offen für Berlin als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands ausgesprochen hatte – zum Ärger vieler Bonner.

Zum Schluss noch einmal der Mann, der am 20. Juni 1991 möglicherweise das Blatt bzw. die Debatte zu Gunsten Berlins gewendet hat. Wolfgang Schäuble wird heute mit den Worten zitiert er erwarte „etwas mehr Verständnis für Bonn„.

Zum 20. Jahrestag

Dienstag, Juni 14th, 2011

Zum 20. Jahrestag der Entscheidung für den Umzug von Parlament und Teilen der Regierung von Bonn nach Berlin mehren sich die Presseartikel zu dem Thema. Den Anfang macht heute die Zeitung „Das Parlament“, die unter der Schlagzeile „Freudenschreie und Entsetzen“ auf die Entscheidung vom 20. Juni 1991 zurück blickt und die Entwicklung seit dem nachzeichnet. Weniger faktenorientiert schreibt das Nachrichtenmagazin Focus „20 Jahre Berlin-Beschluss: Bon(n) Voyage“ und schlägt sich auf die Seite der Umzugsbefürworter.

Die Fakten werden hoffentlich bei der Diskussionveranstaltung „Wie funktioniert der Regierungsstandort Bonn? Bilanz und Perspektiven als internationale Hauptstadt für Entwicklung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ am 16. Juni 2011 in der Deutschen Welle im Vordergrund stehen. Die Bonner Kreisverbände von CDU und FDP haben Hans-Jürgen Beerfeltz (Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Dr. Peter Müller (Ministerialdirektor im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) eingeladen, um über Bilanz und Perspektiven des Regierungsstandortes Bonn und die Entwicklung der Bundesstadt zu einer internationalen Hauptstadt für Entwicklung und Nachhaltigkeit zu diskutieren.

Ebenfalls am 16. Juni berichtet ein „Insider“ von seinen Erfahrungen aus den 20 Jahren Bonn-Berlin-Beschluss. Klaus Westkamp, ehemaliger Leiter des Umzugs- und Ausgleichsstabes der Bundesregierung wird Bilanz ziehen und einen Ausblick geben.

Podiumsdiskussion im Bonner Wasserwerk

Mittwoch, Juni 1st, 2011

Am 20. Jahrestag der Debatte um Parlaments- und Regierungssitz im Deutschen Bundestag findet im Alten Wasserwerk, also an der Stelle an der der Bundestag damals tagte, eine Podiumsdiskussion statt.

Die Stadt Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis und der Kreis Ahrweiler wollen am 20. Juni 2011 an die Entscheidung und die Entwicklung, die die Region seit dem vollzogen hat erinnern. Unter dem Titel „Erfolgreicher Strukturwandel und Perspektiven“ diskutieren auf dem Podium Dr. Flavia Pansieri (Executive Coordinator der United Nations Volunteers, für die 18 UNO-Einrichtungen in Bonn), Professor Dr. Dieter Engels (Präsident des Bundesrechnungshofes, für die Bundesstadt mit ihren Behörden), Dr. Jörg Haas (als Vertreter der Bonner Wirtschaft), Professor Dr. Hartmut Ihne (Repräsentant der Wissenschaftsregion) und Dr. Oliver Kornhoff (Direktor des Arp-Museums Rolandseck, für die kulturelle Dimension des Strukturwandels). Die Podiumsdiskussion wird moderiert von Friedhelm Ost (ehemaliger Staatssekretär und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung).